lautschrift


Lautschrift aktualisiert am 09.02.2008
  Startseite
  Über...
  Archiv
  Jan
  Aufgeräumt
  Die Pianistin
  Vierzig
  Hamburg
  Karachi Skizzen
  Versicherung
  Frei
  Aussichten
  Besuch
  Maid in Hongkong
  Millenium
  Verwandte
  Wüstentraum
  Briefwunsch
  Verführung
  Unter Nachbarn
  Auf der Suche nach Weihnachten
  Nikolaus
  Von der Stange
  Nachts
  Oh Tannenbaum!
  Opernbesuch
  Gäste
  Handwerker
  Mein Typ
  Die Spinne
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren
 

Freunde
   
    venuslicht

    - mehr Freunde

Links
  venuslicht
  PTM-Hamburg
  seeyousoon
  wüstenreisen


http://myblog.de/lautschrift

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
AUFGERÄUMT

Es hatte sich einfach zu vieles angesammelt. Berge von kann-ich-noch-mal-brauchen und war-recht-teuer. Dazwischen etliche daran-hängt-mein-Herz und weißt-Du-noch. Diese letzten beiden waren die sperrigsten. Alle nahmen ihr langsam aber sicher die Luft. Alles war vollgepfropft, nirgends mehr Platz, kein Raum und doch, auf der anderen Seite fühlte sie sich geschützt, wie hinter einem Wall, geschützt vor Schritten auf neue, unbekannte Wege, so sehr diese sie auch hin und wieder mit schöner Regelmäßigkeit lockten.

So hockte sie hinter diesem Wall, nahm die immer schmaler werdenden Trampelpfade ihres klein und eng gewordenen Lebens noch immer hoffnungsvoll in Kauf, drehte sich immer mehr im Kreise als die Einsicht ihre Hoffnung brockenweise brach, machte nur zaghafte Schritte und zuckte doch letztendlich vor dem ersten, so großen Schritt Richtung Befreiung zurück.

Alles nahm ihr langsam aber sicher die Luft. Ihre Schritte waren klein und kleiner geworden, die Bewegungen hatten sich verlangsamt, die selbst geschaffene Zelle zwang sie zum Stillhalten. Sie hielt aus. Hielt aus, als sie meinte verrückt zu werden vor lauter Untätigkeit, mürbe vom Hoffen, vom Warten, vom Durchhalten. Hielt noch aus, als der Kopf das Feuer eröffnete, leistete schmerzerfüllt noch immer Widerstand, wiederholte ihr Mantra er-kommt-zurück, er wird-zurückkommen.

Zwei Jahre lang. Zwei ganze Jahre. Das durfte man niemandem erzählen dort draußen, jenen, denen man die starke Frau vorspielte.
Zwei Jahre waren lang. Die Zeit hatte Kraft. Mehr Kraft, als sie noch aufbringen konnte.

Sie verließ die Deckung, zögernd, sichernd nach allen Seiten, fühlte ganz entfernt die Erregung eines Wagnisses. Die Augen nur einfach fest geschlossen halten, jeden Gedanken, jedes Gefühl energisch zurückweisend, mit raschen Handgriffen seine alten Pullover, jene Lieblingsboxershorts, das ausgeleierte T-Shirt mit dem ausgefransten Kragen aus dem Schrank direkt in den Müllbeutel stopfen, letztendlich sein vergessenes Oberhemd vom Bügel zerren, auch dieses in den blauen Sack befördern und tief Luft holen. Geht doch. Kein Blick auf die verwaisten Borde im Schrank, nur schnell die Tür schließen. Sack hinter sich her zerrend, ein beherzter Griff ins Badeschränkchen und schon folgen die Zahnbürste, samt Rasierer und seinem After shave - nur jetzt nicht schnuppern! - dem Schicksal der Garderobe.
Sack vor die Türe stellen, mit einem Karton bewaffnet die Regale von verdorrten Rosen, kleinen Geschenken und Mitbringseln aus - nein, keinen Gedanken zulassen! - befreien. Einfach nur greifen, reinwerfen, eines nach dem anderen. Karton neben den Sack wuchten, Haustüre zu.

Auf den Küchenstuhl sinken, eine Zigarette anzünden und vollkommen erschöpft die Leere spüren. Fragend.

copyright Susann Thomsen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung