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Lautschrift aktualisiert am 09.02.2008
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Karachi Skizzen


19.12.1989

Grau und ohne die gewohnte Sonne kündigt sich ein neuer Tag über Karachi an. In der Küche rumort bereits der Koch. Mahmood ist schätzungsweise an die 70 Jahre alt und hat sich im Laufe der Jahre und wechselnden Herrschaften auf die deutsche Küche eingestellt. Für heute bereitet er ein Gulasch vor, zum Nachtisch wird es einen wunderbar erfrischenden Obstsalat geben.


23.12.1989

Morgen ist Weihnachten. Für zwei ein halb Tage habe ich dem Personal frei gegeben. Zwei Christen und zwei Moslems. Ich wollte von Daniel wissen, wie er mit seiner Familie morgen Weihnachten feiert. Nach einem verlegenen Lachen und einer sehr langen Pause erzählte er mir, dass es für seine Familie an normalen Tagen Chapatti - das Fladenbrot- und Tee zum Frühstück gäbe. Für morgen habe er etwas Geld gespart und somit gibt es noch ein paar Kleinigkeiten mehr zu essen. Das ist dann Weihnachten.
Ich habe Briefumschläge vorbereitet, jeder bekommt morgen Früh fünfhundert Rupees, das entspricht einem Drittel ihres Gehaltes und dann teile ich noch die verbliebenen Nikolaus-Tüten, die von Lufthansa für die Kunden bestellt worden waren, auf die Familien auf. Ich hoffe, das reicht, denn einer hat 12, der andere 7 und noch einer 4 und der letzte 3 Kinder.


31.12.89

Ein Mann bucht für seinen 16-jährigen Sohn einen Flug nach Deutschland. Er soll sich dort medizinischer Behandlung unterziehen. Der Grund: ihm ist vor einem Jahr ein Auge ausgeschossen worden. Als der Vater nach dieser Erklärung Betroffenheit bei seinem Gegenüber spürt, antwortet er mit einem Achselzucken: " Ich bin ja auch dagegen, dass die Jungen Waffen haben, aber was soll man machen ...."

Ein 17-jähriger Junge bastelt an seinem ersten, alten Motorrad herum. Die Maschine fängt aus irgendwelchen Gründen Feuer und der Junge erleidet starke Verbrennungen. Nach drei Tagen im Hospital stirbt er.

Heute ist Silvester. Schon seit gestern sind alle paar Stunden Schüsse zu hören. Einzelne Salven, in der Nachbarschaft, in der Ferne. Feuerwehrkörper sind hier nicht üblich, die Christen sind eine Minderheit. Geschossen wird zu jedem Anlass.

Gestern erzählte mir der Fahrer (Richard), sein Traum wäre ein Motorrad. Leider ein Traum, weit entfernt. Es würde ca. 22.000,-Rupees kosten, er selbst verdient im Monat nur 1.600,-. Er wird sehr lange sparen müssen. So ein Motorrad ist noch viel eher erschwinglich als ein Pkw, für den man -gebraucht und klein- ca. 90.000,- Rupees zahlen muss.

Auf den Straßen kann man besonders an Freitagen ganze Familien auf einem einzigen Motorrad ausfahren sehen. Meist sitzt ein Kleinkind
kurz vor dem Lenker, dahinter sitzt der steuernde Vater und hinter ihm zwängen sich noch ein bis zwei Kinder, auf der letzten Ecke des Sitzes sitzt dann die Mutter seitwärts, mit schlenkernden Beinen, zarte Pantöffelchen an den Füßen. Alle natürlich mit flatternden Haaren!
So eine Familie gehört mit diesem fahrbaren Eigentum fast zur hauchdünnen Schicht des Mittelstandes. Mit dem Motorrad ist der Mann nicht gezwungen, seinen Arbeitsplatz nach einem stundenlangen Fußweg, per Rad oder mit den ständig lebensgefährlich überfüllten Bussen zu erreichen. Dazu kommt die Familie, oder wenigstens die Kinder, hin und wieder an einem Freitag heraus aus der häuslichen Enge, dem täglichen Einerlei.


03.01.90

Das neue Jahr begann statt mit Feuerwerkskörpern, mit Gewehrschüssen. Unser Wächter am Tor bedeutete uns wenige Minuten nach Mitternacht, nun das Dach zu verlassen und ins Haus zu gehen, es würde gefährlich werden.
Nun ist der Alltag wieder eingezogen. Heute ist Fensterputz dran. Und das will etwas bedeuten bei einem Haus von ca. 350 qm! Zwei unserer "guten Geister" sind nun am Schaffen: der eine putzt von drinnen und der andere hat den weitaus anstrengenderen und gefährlicheren Job, nämlich draußen.
Es sind Holzschiebefenster. Eine Hälfte des Fensters ist mit einem Fliegengitter bespannt und vor allem befinden sich schwarze, schmiedeeiserne Gitterstäbe. Im Erdgeschoss mag das alles ja noch angehen, aber im ersten Stock sieht das schon anders aus!
Der Mann turnt auf einem schmalen Sims in luftiger Höhe rund ums Haus und versucht, mit seinem Tuch, zwischen den Eisengittern hindurch, das Glas abzuwischen. Hin und wieder schauen sich die beiden Männer durch das Glas an und der eine bedeutet dem anderen, er hätte auf seiner Seite noch Streifen. Was der andere natürlich nicht für seinen Fehler hält und durch erneutes Wischen seinem Kollegen bedeutet, die Streifen befänden sich auf der anderen Seite des Glases!
Das Fliegengitter wiederum ist sehr einfach zu säubern: man nehme ein Tuch und schlage solange darauf, bis sich der Staub gelöst hat und sich - hoffentlich! - an anderer Stelle niederlegt!
Dass man Farbspritzer und Reste von Klebestreifen auf dem Glas als unmöglich zu entfernen ansieht, ist selbstverständlich!

Doch nicht nur, was die Fenster betrifft, wird die Sauberkeit hier zum Thema Nr. eins. Alles im Haus, am Haus, in jeder Ecke, in jedem Schrank, wird, wenn nicht täglich, so doch wenigstens alle zwei bis drei Tage, gründlich gereinigt. Auf dass Spinnen, Eidechsen, Kakerlaken und sogar Mäuse und Ratten draußen bleiben! Während der drei Wintermonate werden Moskitonetze über die Betten gespannt. Offiziell gibt es in Karachi keine Malaria, aber wer will schon in dieser Hinsicht eine Ausnahme werden!
Jede kleinste Wunde wird sofort desinfiziert, Hände werden täglich so oft gewaschen, wie Andernorts in einer Woche.

Lebensmittel werden grundsätzlich nur im Kühlschrank aufbewahrt, denn sonst würden sie ein Opfer der unzähligen Fliegen, sieht man von den Temperaturen ab.

Aufgrund der großen und häufigen Stromschwankungen haben wir Gleichrichter zwischen die empfindlichen Geräte, wie Fernseher, Video-Gerät, Computer, Stereoanlage und Kühlgeräte geschaltet. Natürlich brennen auch täglich mehrere Glühbirnen durch. Für einen größeren Stromausfall steht ein Generator bereit. Den haben wir bereits eine Nacht lang benötigt, um wenigstens die Lebensmittel in den Kühltruhen zu erhalten


07.01.90

Ein Rausch hat mich gepackt. Kein Kaufrausch der gewöhnlichen Sorte, dieser Art, Langeweile zu töten. Nein, es war Liebe auf den ersten Blick und sogar erreichbar. Das kleine, zarte Kunstwerk hängt schmal gerahmt in einem abbruchreifen Haus, bei einem alten Mann, der seit über 40 Jahren Antiquitäten sammelt.
Das Bild, in leuchtenden Farben zart und voller Details gemalt, stellt eine Szene im Hofe eines Königspalastes dar. Es soll angeblich aus dem frühen siebzehnten Jahrhundert stammen. Ob es stimmt? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass dieses kleine Kunstwerk, egal wie alt es sein mag, von ungeheurer Anziehungskraft ist. Es lehnt in einer Reihe viel jüngerer Bilder, leicht verstaubt, auf einem alten Aktenschrank. Ich saß davor und
hätte es noch Stunden ansehen können.


08.01.90

Es ist ungefähr 10 bis 15 cm lang und klebt regungslos an der Wand. Ich kenne es unter dem Namen Gecko und hier sagt man auf Englisch einfach Lizzard. So einen Salamander findet man alle Tage in seinem Zimmer. Meist hält er sich hinter Vorhängen auf oder ganz einfach in einer Ecke hoch oben an der Wand. Wird er aufgestört, flitzt er in unglaublicher Schnelligkeit ein paar Meter weiter. Nach einer kleinen Weile hat seine Haut den Ton seines Untergrundes angenommen. Dort wird es weiter hocken bleiben, sofern es nicht weiter gestört wird, und auf Beute warten, auf Fliegen und Mücken.


11.01.90

Auf der gegenüber liegenden Straßenseite unseres Hauses befinden sich zwei unbebaute Grundstücke. Freie Plätze, nicht eingezäunt bzw. von einer Mauer umgeben, sie dienten bisher der Allgemeinheit als Müllhalde. Hausmüll - genauer gesagt, Küchenabfälle, denn alles andere wie Flaschen, Dosen usw. wird vom Personal verkauft - wird dort abends hingeworfen. Die Milane, streunende Hunde und Katzen und auch das Hausvieh, wie Ziegen und Kühe ernähren sich davon.

Seit ein paar Tagen tut sich etwas auf einem dieser Grundstücke. Man kann Männer beobachten, die den Müll abtransportieren, große Steinbrocken aus dem Grund ausgraben und säuberlich stapeln, Sand wird in kleineren Mengen angefahren und auf einer Ecke der nun freien Fläche schichten zwei Arbeiter grobe Steine auf, die ein begehbares Viereck ergeben. Hier werden sich die Männer während der Bauzeit in ihren Pausen zurückziehen. Es ist offensichtlich, dass auf diesem Grundstück eine weitere Villa entstehen soll.

Es sind keine Baumaschinen, wie Bagger, Kran o. ä. zu sehen. Männer mit Spaten, Hacken, Eimern und Schubkarren bestimmen das Bild.


13.01.90

Nicht nur Bettler stehen an den Straßenkreuzungen, auch fliegende Händler bieten ihre Ware feil. Tageszeitungen, Illustrierte, Luftballons, Kinderspielzeug werden den Autofahrern allerorten angeboten. An einer Kreuzung stand wochenlang ein Mann mitten im brandenden Kreisverkehr und hielt den ganzen Tag Welpen, einen in der linken, einen in der rechten Hand, den Autofahrern entgegen. Ab den späten Nachmittagsstunden, wenn es auf den Abend zugeht, werden Blüten verkauft. Die Blütenköpfe sind wie Perlen an einer Schnur aufgereiht und werden der Dame für den Abend ums Handgelenk gebunden und verströmen für Stunden ihren intensiven Duft.
Die Händler sind einfache Menschen, kaum einer kann von ihnen lesen oder schreiben. Umso verblüffender reagierte gestern ein Händler auf Jürgen:
Seit er von der Lufthansa als Verkaufleiter für Pakistan in die Millionenstadt Karachi versetzt wurde, erschienen in verschiedenen, lokalen Zeitungen sein Bild und eine kurze Personalbeschreibung. Nun lebt er hier seit knapp drei Monaten.
Er ist mit dem Auto unterwegs und hält an einer roten Ampel. Ein Händler erscheint an seinem Seitenfenster, hält ihm eine Illustrierte entgegen, Jürgen winkt ab, der Händler dreht die Hand um und zeigt auf der Rückseite ein anderes Exemplar, Jürgen schüttelt wieder den Kopf. Der Händler sieht Jürgen durch die Scheibe an, er grinst, blättert eilig in dem ersten Magazin - an einer roten Ampel hat man nicht ewig Zeit!-, schlägt auf und hält Jürgen triumphierend dessen Foto entgegen. Lachen auf der einen Seite, Verblüffung auf der anderen Seite des Fensters.


16.01.1990

Hummer sind heute auf dem Markt nicht zu bekommen. Aber der Koch hat ja so seine Kontakte! Der Träger kennt einen Mann, der die Hummer noch am gleichen Tag fangen kann, wenn er welche findet.
Und so sieht dann die Bestellung aus: Der Koch bespricht die Größe und Anzahl der Hummer mit dem Träger. Der wird seinem Bekannten Bescheid geben. Dieser wird den Fang versuchen und dann den Träger wissen lassen, wann, wie viel abgeholt werden kann. Der Träger wird diese Auskunft an den Gemüsehändler auf dem Markt weiterleiten. Der Gemüsehändler verfügt auf diesem orientalischem Markt, inmitten seiner Kisten, über ein Telefon. Er wird nun - Inshallah - unter der von uns zurückgelassenen Telefonnummer anrufen, um zu sagen, die Hummer wären bei ihm deponiert, wir könnten sie abholen und er reicht dann auf dem gleichen Wege das Geld weiter.


23.01.90

D. ist weder zu hören, noch zu sehen. Nicht weiter verwunderlich, denn er schleicht - stets barfuß, obwohl ich ihm dicke Socken gegeben habe, denn der Steinboden ist kalt in dieser Jahreszeit- durchs Haus und nur an seinem gelegentlichen, kurzen Husten kann ich hören, wo er gerade steckt. Das obere Stockwerk wird vormittags erledigt, Betten gemacht, Bäder geputzt, Böden gefegt und nass gewischt.
Die Mittagspause ist lange vorbei, D. ist nirgends zu sehen. In der unteren Halle sind wieder zwei Glühbirnen durchgebrannt, der große Teppich ist mit Krümeln und Hundehaaren übersät und die gelieferte Kiste steht immer noch neben der Eingangstür.
Aha, draußen sitzt er also! Hockt auf den Stufen und raucht gemütlich seine Zigarette. Das geht zu weit! Gestern den Glastisch nicht putzen, das Gäste WC schlicht übersehen und heute draußen in der Sonne hocken!
Ich frage ihn, aus der Küchentür heraus, wann er gedenkt, die Kiste nach oben zu schaffen und danach möge er gleich staubsaugen.
Von oben höre ich ihn staubsaugen, dann wieder Stille. Er hockt draußen unter dem Küchenfenster und raucht! Jetzt reicht es mir aber! Laut klappernd nehme ich die beiden Kaffeetassen und beginne, sie abzuwaschen, woraufhin D. sofort in der Küche erscheint und meint, das bräuchte ich doch nicht, er könne es tun. Nicht sehr freundlich haben wir uns an diesem Nachmittag voneinander verabschiedet.
Als er am nächsten Morgen in der Küche steht, ziellos Dinge in die Hand nimmt, um sie gleich wieder hinzulegen, merke ich plötzlich, dass der Mann krank ist. Mit seinen paar Englischkenntnissen erzählt er mir von seinen Gliederschmerzen und dem Schwindelgefühl. Er fragt nach Tabletten, dann ginge es ihm sicher gleich besser.
Ich habe ein schlechtes Gewissen. Der Mann ist kurz vor dem Zusammenbrechen und erscheint dennoch zur Arbeit. Ich gebe ihm Schmerzmittel und will ihn nach Hause schicken, er gehört ins Bett. Er bittet mich, ihn hier in seinem Hinterzimmer schlafen zu lassen, den Weg nach Hause von knapp 2 Stunden würde er im Moment nicht schaffen.


25.01.90

Der letzte Kleiderschrank ist eben angeliefert worden! Natürlich nicht in Plastik verschweißt oder mit Wolldecken abgedeckt aus einem Möbelwagen, nein, in alle Einzelteile zerlegt auf einem Suzuki-Pickup. Das ist ein kleiner, offener Transporter.
Fünf Handwerker sind nun dabei, den Schrank zusammen zubauen und haben versichert, es dauere keine Stunde.
Unser Wächter hat mich leise darauf aufmerksam gemacht, solange die Handwerker im Haus sind, solle sich meine Tochter in ihrem Zimmer einschließen. Vorsicht sei angebracht, schließlich sind wir zwei allein im Haus. Julia sah beunruhigt aus, als ich sie aufforderte, die Tür von innen zu verriegeln.
Hoffentlich ist der Schrank in einer Stunde fertig, denn dann wird es bereits dunkel werden.
Der Schrank steht. Ein großer, dunkel polierter Kleiderschrank mit vier Türen. Dieses Mal habe ich nichts gesagt, es hätte nur stundenlanges Palaver gegeben, der Schrank wäre wieder mitgenommen worden und ich hätte weitere 4 bis 6 Wochen warten müssen: statt der zwei Schränke mit jeweils zwei Türen ist es einer mit vier Türen geworden. Natürlich passt er nicht in die Nische, für die er vorgesehen war! Ich werde eben umdenken müssen!


25.01.90

Ein führender Politiker der Oppositionspartei PPP wird nach Karachi kommen. Seit Tagen kündigen die lokalen Zeitungen Massendemonstrationen an. Der Wächter und der Fahrer raten mir dringend von einem Besuch in der Innenstadt ab. Unruhen sind für zwei Tage und besonders Nächte zu erwarten. Verschiedene Stadtteile werden abgeriegelt werden, Unruhen bedeuten auch wüste Schießereien.
Man erzählt sich, zu Auftritten der verschiedenen Parteien werden Busladungen von Menschen aus dem Umland, dieses Mal schätzt man eine Million, erwartet. Den einfachen Leuten werden bessere Lebensbedingungen versprochen, ihnen wird ein warmes Mittagessen bezahlt und der Transport zum Schauplatz der Macht ist hin und zurück kostenlos. Die Emotionen in Unkenntnis der komplexen Sachlage sind enorm. Eine Minderheit kämpft gegen die andere. Die Reichen bleiben in ihren bewachten Häusern.


06.02.90

Es ging mal wieder um Kashmir. das Gebiet, das Pakistan beansprucht, Indien aber unter Kontrolle h„lt. Es gab die vergangenen Tage größere Unruhen und was weiß ich noch, jedenfalls war eine Stellungnahme der Prime Minister Bhuto gefragt. Die ordnete kurzerhand einen nationalen Feiertag für Montag, den 05.02.90, also gestern, an. Aus Solidarität mit den moslemischen Brüdern in Kashmir, sollten gestern alle L„den, Banken, Schulen und Behörden geschlossen bleiben. Ebenso ruhte der öffentliche als auch der private Verkehr.
Dem Montag waren hier in Karachi einige Demonstrationen am Sonntag vorangegangen. Vor dem indischen Generalkonsulat formierte sich ein Demonstrationszug, aus dem kleinere Grüppchen ausbrachen und randalierten. Sie griffen einen Polizeiposten an und als Folge wurde ein Demonstrant erschossen. Bei einem Reisebüro und der Air India gingen Fensterscheiben zu Bruch. Ein Massenaufgebot von Militärpolizei hielt die Innenstadt ruhig, wenngleich Spannung körperlich spürbar über den Straßen hing. Ein einzelner Funke hätte genügt, dieses Pulverfass explodieren zu lassen.
Gestern, am Tag der öffentlichen Arbeitsniederlegung ruhte alles. Unserem Personal hatte ich frei gegeben, aber die Wachmänner unserer Wachgesellschaft mussten natürlich zum Dienst erscheinen. Da gab es dann natürlich Engpässe: ohne öffentliche Transportmittel hatten viele große Schwierigkeiten zum Dienst zu erscheinen. Jeder, der es sich leisten konnte, blieb wieder einmal zuhause.


07.02.90

Seit heute morgen um 4 Uhr wird geschossen. Wir stehen an den Fenstern und versuchen etwas auf den ruhigen Straßen unseres Wohnviertels zu sehen. Alles ruhig, nur die Schüsse sind zu hören, einzelne Salven, Kalaschnikows.
Gestern erfolgte bereits ein Rundruf per Telefon, diesem ungeheuer wichtigen Verbindungsmittel: die Schulen bleiben für heute wieder geschlossen, Unruhen seien zu erwarten. Lagebesprechung gestern Nachmittag in der Küche: keiner hat etwas in den Zeitungen entdecken können, keine Aufrufe. Mein Personal ist entschlossen zu kommen, ich bitte sie aber, ihre Entscheidung von den Straßenverhältnissen abhängig zu machen.
Acht Uhr morgens. Jürgen fährt ins Büro. Nach seiner Ankunft dort, ruft er mich an, niemand ist bis jetzt erschienen.
8.15 Uhr. Der Koch kommt, etwas später als sonst, aber unbeschadet auf seinem Fahrrad, er kommt aus der näheren Umgebung. Er hat gestern seinen Sohn aus einem Viertel geholt, das von der Polizei vollkommen abgeriegelt war.
8.30 Uhr. Der Houseboy kommt wider Erwarten. Er hat den längsten Weg. Er wohnt draußen am Strand, eine und eine halbe Stunde braucht er an normalen Tagen. Kurz vor unserem Wohngebiet sind die Hauptstraßen abgeriegelt, ein Bus brennt, den Rest des Weges legte er zu Fuß zurück. Auf meine Frage, weshalb er es gewagt hat, zu kommen, sagt er mir, aus seinem Dorf wären drei oder vier Busse Richtung Stadt gefahren. Also fuhr er mit, wie könnte er zuhause wissen, ob es ruhig oder gefährlich ist, zu kommen. Der Koch ergänzt ihn: der Transport würde lahm gelegt, um Unruhe zu verbreiten. Man hindert die Leute, zu ihrer Arbeitsstelle zu kommen, damit es Probleme gibt.
9.00 Uhr. Auch der W„scher hat sich durchgeschlagen. Er berichtet das gleiche, wie der Houseboy. Als er vor dem brennenden Bus nicht stehen blieb, um den Aufrührern zuzuhören, warf man brennende Reifenstücke hinter ihm her.
Schüsse sind in nächster N„he zu hören. Sie klingen hell und knapp. Keine schweren Waffen, nur Geknalle der aufgeputschten Jugendlichen.
Der Nachtwächter wird bald abgelöst. Drei Stunden später als gewöhnlich. Er hat eine hochschwangere Frau zuhause. Er weiß noch nicht, ob er den ganzen Fahrtweg von 1 1/2 Stunden laufen werden muss.
Ich habe versucht Jürgen im Büro anzurufen, keine Antwort.


13.02.90

Eine Woche später sind immer noch etliche Stadtteile abgeriegelt. Am letzten Wochenende war über dreiviertel der Stadt Ausgehverbot verhängt. Damit war das öffentliche als auch das private Leben lahm gelegt. Nur morgens und abends gibt es jeweils zwei blockfreie Stunden, in denen man sein Viertel verlassen oder zurückkehren kann. Doch ohne öffentliche Transportmittel erreichen viele Menschen nicht ihren Arbeitsplatz. Diese Zeit kann also nur zu Lebensmittelkäufen genutzt werden. Allerdings fehlt das Geld hierfür. Keine Arbeit, kein Geld. Die wenigen Händler, die ihre Waren feilbieten nutzen die Notsituation schamlos aus und erhöhen die Preise: die paar Rupees, die einer Frau für die Grundnahrungsmittel zur Verfügung stehen, werden für diesen Monat kaum reichen.
Jeder, der versucht, an Absperrungen vorbei zu kommen, dem Militär auch nur widerspricht, darf erschossen werden. Es kommt zu brutalen Übergriffen, MQM gegen PPP, jeder scheinbar gegen jeden, besonders männliche Jugendliche beteiligen sich an jedem Aufruhr, alles einzelne Kraftproben, selbst Kinder werden nicht geschont. Ich hörte von einem sechsjährigen Mädchen, dessen Mutter statt der MQM, der PPP angehört, das erschossen wurde. Mütter fürchten nicht nur um ihre Kinder, sondern im Besonderen um ihre Töchter: es kommt häufiger vor, dass sie vergewaltigt oder entführt werden.
Generell werden Kinder nicht nur zwecks Lösegeldzahlungen entführt, sondern speziell kleinen Mädchen droht eine Entführung. Sie werden oftmals ans andere Ende des Landes gebracht, um zu arbeiten und es ist keine Seltenheit, daß man sie jahrelang oder niemals wieder findet.

Es ist schwierig, die politische Lage eines fremden Landes zu verstehen. Bis jetzt habe ich soviel verstanden:
Die Regierungspartei ist die PPP - die Pakistan People Party - und wird von größtenteils einfachen Leuten aus der Provinz Sind getragen. Sie hat gegenüber den wohlhabenderen, alteingesessenen Familien, zu meist aus dem Punjab, einen sehr schwachen Stand.

Die Premierministerin Bhuto will einen demokratischen Weg gehen. Doch fehlt es in diesem Land an zu vielem, allem voran die Bildung. Man schätzt, dass nur ca. 10 % der Bevölkerung lesen und schreiben kann, sieht man vom ausschließlichem Koranstudium ab. In einer Millionenstadt wie Karachi, in einem wirtschaftlich schwachen Land, entstehen Slums reihenweise, über Nacht. Die Zahl der Bettler ist groß, wer eine Arbeit, egal wie schwer, wie gesundheitsgefährdend, ergattert hat, kann wenigstens seine Miete zahlen, seine Kinder, und derer sind es meist viele, ernähren und weiter reicht der Lohn auch schon nicht mehr.
Was interessiert also einen Arbeiter, der Tag für Tag Straßen mit der Hacke aufreißt, mit schwerer körperlicher Arbeit einen geringen Lohn nach Hause bringt, Politik? Weder er noch seine Frau, noch seine Kinder können lesen, schreiben oder gar die Zeitung lesen, sie besitzen keinen Fernseher, haben kaum das Nötigste zum Leben.
Einziges Ziel der Oppositionsparteien ist, soviel Unruhe wie möglich zu verbreiten, damit endlich das Militär eingreifen kann und am Ende dann die Macht erhält. Denn das Militär ist der Regierung unterstellt. Das wäre das Ende der Premierministerin Bhuto, die immer noch meint, ihr Land sei reif für die Demokratie.
Dies alles ist der Hauptgrund der Unruhen, der Streit um Kashmir ist nur der Aufhänger.


01.03.90

Ein Mann steht nachts am Flughafen. Er ist auf dem Wege nach Hause, nach Deutschland. Zwei Männer in Uniform kommen auf ihn zu und verlangen zu wissen, wohin er wolle. Auf seine Antwort, nach Deutschland, heißt es, nein, er ginge nicht nach Deutschland. Aber ja, sagt der Mann, ich habe einen Pass, ich habe ein gültiges Ticket, er lacht und sagt, ich fliege heute Nacht nach Deutschland und nichts anderes. Er zieht sein Flugticket und seinen Reisepass aus der Tasche um seine Aussage zu unterstreichen. Die Uniformierten nehmen den Pass, betrachten ihn kurz und teilen ihm mit, der sei falsch, er könne nicht ausreisen. Trotz aufgeregter Beteuerungen Seiten des Deutschens bleiben sie dabei, der Pass sei nicht echt. Doch für 1.000,- Rupees ( ca 80,- DM ) würde man darüber hinweg sehen. Immer noch halten sie den Pass in der Hand.
Der Mann braust auf: 1.000,- Rupees! Eine Frechheit, das würde er nie und nimmer zahlen, für nichts und wieder nichts, der Pass ist echt und keiner könne ihm das Gegenteil beweisen!
Mit einer raschen Handbewegung wird flugs das Foto aus dem Ausweis gerissen und ihm damit demonstriert: dieser Pass ist - nun - kein echter Pass. Das Papier wird einbehalten, der Mann abgeführt und ins Gefängnis gebracht.
Nach fünf Tagen, in denen er täglich mit einem flachen Lederstück, um keine Spuren zu hinterlassen, verprügelt wird, erreicht den Botschaftsangestellten des deutschen Generalkonsulates, dieser Pass mit einem mit Klebeband versehen Foto. Seine Aufgabe ist es nun, den Pass auf seine Echtheit hin zu prüfen und dieses zu bestätigen. Eine Aufgabe, die für ihn alltäglich ist.
Mit einem Blick auf den Klebestreifen, befindet dieser natürlich, ohne die Vorgeschichte zu kennen, das Dokument sei gefälscht. Er stempelt es ungültig und fertigt eine entsprechende Bescheinigung aus.
Diese Papiere werden nun den pakistanischen Behörden übergeben und wiederum ist es Aufgabe dieses Visa Angestellten, sich nun um einen Deutschen zu kümmern, der im Ausland mit gefälschten Papieren erwischt worden ist und im Gefängnis sitzt.
Es erfolgt ein Besuch bei dem Inhaftierten und der erzählt ihm nun den wahren Hergang der ganzen Geschichte.

Selbst die Polizei ist dafür bekannt und berüchtigt, sich auf ähnliche Art und Weise Geld zu verschaffen. Die Verkehrspolizei z.B., hält wahllos Autofahrer an, behauptet schlicht, er hätte eine Verkehrsregel verletzt und setzt einen sofort in bar zu zahlenden Betrag an. Klappt dies nicht, wird eben das Auto solange auf Mängel untersucht, bis man einen gefunden oder herbeigeführt hat und der "berechtigt" nun den Verkehrspolizisten, den Autofahrer zur Kasse zu bitten.

Moral der Geschicht': es ist ratsam, immer einen bestimmten Geldbetrag bei sich zu haben, um im Notfall in den sauren Apfel zu beißen und zu zahlen.


07.04.90

Nach acht hektischen, kalten Tagen in klarer Luft in Deutschland, die mühsamen ersten Tage und Nächte der Eingewöhnung. Die feuchte Hitze lähmt, der Zeitunterschied von 3 Stunden scheint endlos und die Nächte neben der Klima Anlage werden durch deren Lärm stark verkürzt.
Das Haus ist wunderbarer Weise blitzeblank, dem Hund geht es gut, nur die ersten Kakerlaken von unglaublicher Größe und Behendigkeit stören.
In den vergangenen Tagen hat die Regierung Benzinpreiserhöhungen angesagt und die Gewerkschaften der Bus- und Taxifahrer drohen mit Streik. Der für den zweiten Tag unserer Ankunft angekündigte Streik findet statt und schon gibt es ein Chaos. An den Straßen stehen Mengen von Menschen, die auf eine Mitfahrgelegenheit hoffen, ein jeder hat große Schwierigkeiten, seinen Arbeitsplatz zu erreichen. Streikunwillige Fahrer trauen sich nicht zu fahren, es wäre nicht das erste Mal, dass die aufgebrachten Menschen, den ersten Bus, den sie zu Gesicht bekommen, vor Wut mit Steinen bewerfen, anhalten und anzünden.
Der für heute vorgesehende große Streik wurde abgesagt. Dafür war gestern Abend urplötzlich die gesamte Stadt Karachi ohne Strom. Es passierte in den frühen Abendstunden und ein Blick von unserem Dach genügte zu wissen, wir sind nicht allein betroffen, es war kein einziges Licht zu sehen, alles still, stockfinster. Eilig suchten wir die Taschenlampen und zündeten die ersten Teelichter an. Kerzen knicken bei der Hitze sofort um, denn ohne Klima Anlage steht die Luft um Haus und die Wärme breitet sich in Minutenschnelle aus.
Mein erster Gedanke gilt den Lebensmitteln in den Kühltruhen: ein bis zwei Stunden bleiben sie nur kühl. Romantik hat es schwer in solch einer Nacht bei Kerzenschein. Alle Sinne sind angespannt: ein Wächter steht allein draußen am Tor, das zu bewachende Haus liegt völlig im Dunkeln, man kann die Hand nicht vor Augen sehen. So eine Nacht kann gefährlich werden, kein Licht, keine Alarmanlage, schwache Telefonleitungen.
Beim zweiten Versuch springt der Generator an, die Lampen gehen an, strahlen hell, flackern, werden dunkler, strahlen hell, flackern, endlich hat der Wächter es geschafft, beruhigt grinsen wir uns zu. Eine sprachliche Verständigung neben dieser Höllenmaschine ist unmöglich. Das Telefon klingelt, also funktioniert es wieder, vorhin war die Leitung tot. Die Bekannte berichtet von anderen Leuten ohne Strom, sie selbst hockt mit zwei kleinen Kindern auch allein, ihr Generator springt nicht an. Mein Wächter klopft an der Tür, meldet, er würde jetzt den Generator abstellen, wir haben keinen Sprit mehr. Also wieder Stille und völlige Finsternis.
Draußen ist es laut und lebhaft geworden. Kinder toben in der Dunkelheit, lachen und kreischen, entfliehen den stickigen Räumen; Jugendliche fahren in Autos und auf Motorrädern laut hupend um den Block. Im Haus drückt die Hitze, es ist still, nur die Teelichter flackern. Die Kinder können nicht schlafen, wickeln sich nasse Handtücher um die Füße, der Hund ist angespannt und nervös, nur eine Mücke scheint sich kaputt zu lachen: sie sirrt vergnügt um meinen Kopf herum, keine leeren Luftschläge meiner schweißnassen Hände können sie verscheuchen, ich kann sie nur hören, bin erschöpft und gebe auf.


17.4.90

Gestern Abend unterhielt ich mich mit einer Deutschen, die seit fast dreißig Jahren mit einem Pakistaner verheiratet ist und seitdem hier lebt. Sie erzählte mir unter anderem von dem Umgang mit einer Plage aus dem Jahre 1958:
In jenem Jahr breiteten sich Wanzen in einem unvorstellbarem Tempo und Menge über der gesamten Stadt aus. Kein Gebäude, kein Restaurant, kein Taxi, kein Privathaus war mehr verschont von diesen Tierchen. Egal, wo man sich aufhielt, sich setzte, worauf man schlief, jeder war mit Wanzenbissen übersäht.
Das einzig bekannte Mittel gegen Insekten und sämtliche Schädlinge war "Dettol". Viele Leute versuchten auch, ihre Matratzen durch Übergießen mit kochendem Wasser und nachhaltigem Trocknen in der sengenden Sonne wenigstens halbwegs zu "entwanzen". Es schien alles nichts zu nützen: viele der Wanzen steckten viel zu tief in den Polstern, als dass man sie erreicht hätte und das "Dettol" schienen sie nach einiger Zeit als Leckerbissen zu betrachten!

Man hatte nichts, was man der Plage hätte entgegen setzen können.
Die verwanzte Stadt wurde ein Fall für die UNO. Die gab die Parole aus: "Pro lebende Wanze wird dem Überbringer eine Rupee gezahlt"
Die Rechnung ging auf. Allerorten wurden Wanzen gesammelt und Geld ausgezahlt. Die Wanzen wurden nach USA geschickt und man begann ein Mittel zur Bekämpfung dieser Tiere zu entwickeln und letztendlich auch zu produzieren.

Nach Gebrauch dieses Mittels wurden die Wanzen in kürzester Zeit vernichtet. Natürlich haben einige wenige, zähe Exemplare dieser Gattung überlebt und deren Ururenkel setzen auch mir hin und wieder noch zu!



21.04.90

Heute ist Sonntag und damit Massage Tag. Meggie wird von ihrem Mann mit dem Motorrad gebracht und auch wieder abgeholt. Er arbeitet nachts als Nachtwächter, vormittags bringt er seine Frau zu Massageterminen in die Häuser der Reichen und am Nachmittag wird er schlafen.
Meggie ist eine rundliche, kleine, vitale Person und massiert mich jeden Sonntag eine Stunde lang. Ich freue mich immer auf diese Entspannung und auch auf die Gespräche mit ihr. Außerdem helfe ich ihr mit diesen Terminen, Geld zu verdienen. Eine Stunde Ganzkörpermassage kostet bei ihr 70,-Rupees, das sind umgerechnet knapp 5,-DM!
Wie so oft, sprachen wir auch heute über die Schwierigkeit, einen Job zu bekommen und wie schlimm es für die Familie ist, wenn weder Mann noch Frau Arbeit haben. Aber auch, wenn die Frau eine Arbeit gefunden hat und ihr Mann zuhause bei den Kindern bleiben muss, ist die Lage für die Frau kompliziert.
Meggie erzählte mir von ihrer Freundin, die ihren arbeitslosen Mann um die Erlaubnis bat, arbeiten gehen zu dürfen, um die Zeit der finanziellen Not zu überbrücken. Er stimmte zu, sie solle sich umsehen, wenn sie arbeiten wolle, so sei das ihre Sache. Die Freundin bekam Arbeit in einem Krankenhaus und wurde als Krankenschwester angelernt. Nach einiger Zeit erlernte sie auch das Handwerk einer Hebamme und verdiente recht gut.
Ihr Mann war noch immer zuhause und kümmerte sich um die Kinder. Seine Frau arbeitete und er war es vorerst zufrieden.
Als man der Frau riet, Kranke und Schwangere privat zu betreuen und damit noch mehr Geld zu verdienen, versuchte die Frau es und wurde erfolgreich. Trotzdem bat sie ihren Mann, sich um eine Arbeit zu bemühen und mitzuverdienen. Sie wußte, wie wichtig ein Job für einen pakistanischen Ehemann ist, es würde sonst nicht gut ausgehen. Ihr Mann weigerte sich, schimpfte mit ihr, sie wollte arbeiten, nun würde sie arbeiten und er bliebe zuhause. Als er sie schlug und aussperrte, lief sie zu ihrer Mutter und erbat Rat und Hilfe. Ihre Mutter war der gleichen Ansicht, wie ihr Mann: ihre Tochter wollte arbeiten, ihre Tochter hatte den Mann gebeten, auf die Kinder aufzupassen, nun solle sie nicht schon wieder etwas von ihrem Mann verlangen. Sie verdiene nun mehrere Tausend Rupees und solle zufrieden sein.
Es kam, wie die Frau befürchtet hatte: sie arbeitet immer noch für den Lebensunterhalt der Familie und ihr Mann kümmert sich um nichts mehr. Sein Stolz hat eine erfolgreiche Frau, die mehr verdient, als er je zuvor, nicht ertragen. Aus einem Ehemann und Familienvater wurde ein Trinker und Taugenichts.


26.04.90

Es ist 7.30Uhr und der Fahrer ist mit den Kindern auf dem Weg zur Schule. Ich füttere den Hund und mache mich fertig zum morgendlichen Spaziergang, d.h. ich trage eine lange Hose - die ausgebeulte Sommerhose, denn die ist die leichteste - und ein langärmliges Hemd. Sonnenbrille aufgesetzt und nun kann's losgehen.
Jetzt um 8 Uhr ist es schon nicht mehr angenehm, die Sonne hat bereits zu dieser Stunde große Kraft und auch der leichte Wind bringt keine Kühle. Die Straßen sind fast leer, die meisten Nachtwächter fegen auf den Grundstücken die Auffahrt und sind nicht zu sehen. Hin und wieder kommt mir ein Radfahrer entgegen, Hauspersonal auf ihrem Weg zur Arbeit.
Das Klima hat mir einen gemächlichen, wenn auch stetigen Gang aufgezwungen. Ich führe den Hund an der langen Leine, so kann er sich freier bewegen und ich muss nicht von einer Seite der Straße auf die andere wechseln und an jedem Abfallhaufen stehen bleiben, denn jede Unregelmäßigkeit im Tempo schickt mir kleine Schweißbäche den Körper hinunter.
Ich gehe mitten auf der Fahrbahn in diesem Wohngebiet und schaue mir die verschiedenen Häuser und Gärten bzw. was davon zu sehen ist, an. Die Grundstücke sind alle mehr oder weniger 1.200 bis 1.500 qm groß und rundherum von einer ca. 2m hohen Steinmauer umgeben. Die Mauer ist meist üppig mit Bougonvilla in den prächtigsten Farben überwuchert und vor den zweiflügeligen Eisentoren hockt meistens der Wächter. Nur hin und wieder sieht man den Teil eines Flachdaches auf einem Bungalow, fast alle Häuser sind zweigeschossig, denn die sind leichter zu kühlen.
Im Gegensatz zu Deutschland sieht hier kein Haus aus wie das andere: vom glatten Betonblock, streng in weiß, mit klar gegliederter Front bis hin zum südeuropäischen Stil mit Bogengängen, versetzten Vordächern, verschachtelt und mit Erkern und Türmchen, ja sogar Imitationen des Weißen Hauses in Washington, erlaubt und gebaut wird, was gefällt. Eingebettet in üppiges Grün, hinter Palmen und blühenden Bäumen wirkt jedes Haus, täglich geputzt von einer Unzahl dienstbarer Geister, wie ein Schmuckstück.
Die Mauern begrenzen die staubige Straße, deren Asphalt Risse, kleine Löcher, und große Kuhlen aufweist. In jedem zweiten Häuserblock fehlt eine Mauer und gibt somit den Blick frei auf ein unbebautes Grundstück, an drei Seiten dank der Mauern der jeweiligen Nachbarn eingegrenzt. Diese Plätze werden von der Nachbarschaft als Müllhalde benutzt und da es sich fast ausschließlich um Küchenabfälle handelt - Papier, Glas und Metall wird rausgesammelt und vom Personal oder anderen verkauft-, sind sie Tummelplätze für Ungeziefer jeglicher Art und Krähen, die sich an den in der starken Hitze rasch verfaulenden und auch verwesenden Haufen gütlich tun. Der Geruch hängt über jedem Viertel.
Doch der Anblick der zahlreichen Bäume und Sträucher mit all ihren leuchtenden Blüten am Straßensaum und an und über den bebauten Grundstücken lenkt den Blick schnell ab. Hier und da sehe ich unbekannte Pflanzen und versuche mir deren Aussehen zu merken, vielleicht finde ich solche in der Gärtnerei, denn noch immer fülle ich unseren Garten mit Pflanzen auf.
Während ich meinen Gedanken nachhing, sind mir vier 10 jährige Jungen in gebührendem Abstand gefolgt. Sie kichern und grinsen, als ich mich nach ihnen umsehe. Sie rufen mir sogar das einzige englische Wort das sie kennen zu: Hi! Ich grüße freundlich zurück und gebe ihnen mit einer Handbewegung zu verstehen, dass sie keine Angst vor dem Hund zu haben brauchen. Sie folgen mir mehrere Straßen lang, bleiben stehen, wann immer der Hund stehen bleibt und schlüpfen dann durch irgendein Tor, die Hand zum Abschied erhoben. Heute Nachmittag werden sie ihren Freunden von diesem kleinen Ausflug erzählen, ihn etwas ausschmücken, und mit der Erzählung, "mit" einem fremden, großen Hund spazieren gegangen zu sein, ihren Mut beweisen und mächtig Eindruck schinden!
Mittlerweise bin ich verschwitzt, verklebt, staubig, dem Hund hängt weit die Zunge aus dem Maul, und wir beide treten unseren Rückweg an, trotz der stärkeren Hitze jetzt etwas schneller: zuhause locken kühle Räume und für jeden von uns beiden ein großer Schluck Wasser!
29.04.90

Es ist 10 Uhr, bereits heiß, die Kühltaschen mit Eiswasser und Lebensmitteln verstaut und unser Ziel heißt heute Mangho Pir und danach Hub Dam. Herr W. fährt den zweiten Wagen und breitet eine Karte aus: wir befinden uns im Süden der Stadt, nahe dem Strand und suchen uns mit dem Zeigefinger einen Weg nach Norden.
Die Straßen sind heute, während des Eid Feiertages leer, alle Rollläden heruntergelassen, viele offene Transporter sind unterwegs, bringen unzählige Menschen zu ihren Familien, die Busse sind, wie stets, überfüllt. Wir fahren am Empress Markt vorbei, halten stur die nördliche Richtung und kommen zum Zoo. Hier ist heute der Teufel los: die Zufahrtstraße ist verstopft, ein Bus steht quer, alles drängelt und an den Eingängen des Geländes wogt ein Meer von Menschen. Wir schieben uns in unserem Auto zentimeterweise vor, an Autos, Fahrradfahrern und auch einem Eselkarren vorbei und kommen aus dem Chaos raus. Ein paar Minuten später überqueren wir ein sich lang hinziehendes Slumgebiet, in dem die deutsche Ärztin Dr. Ruth Pfau seit Jahrzehnten die Lepra bekämpft.
Wir fahren die Hauptverkehrsstraße weiter und merken nach einer Weile, dass die Straße nicht den von uns gewünschten Kurs gen Norden hält, wir entfernen uns immer weiter von der ungefähren Stelle, an der wir hätten abbiegen müssen. Zu dumm! Ein erneutes Studieren der Karte bringt uns auch nicht weiter, sie ist sehr ungenau. Kurze Lagebesprechung am Straßenrand: wir fahren noch ein kleines Stück weiter, vielleicht kommt die größere Abzweigung ja noch, ansonsten fahren wir wieder ein Stück zurück. Und schnell in die Autos, der Geruch bzw. Gestank in dieser Gegend ist mehr als unangenehm. Wir setzen die Fahrt fort. Die Straße ist breit, führt strikt nach Westen, vorbei an unzähligen Wasserlöchern zwischen Straße und Häuserzeile, in denen kleine Jungen vergnügt planschen.
Wir nähern uns einer großen Polizeistation und beide Autos halten. Jürgen und Herr W. fragen einen Beamten auf der Außentreppe nach dem Weg zum Mangho Pir. Sofort sind die beiden von mindestens sechs Männern umringt, es beginnt das übliche, umständliche Palaver. Doch im Gegensatz zu den sonstigen unterschiedlichen Wegbeschreibungen - jedermann ist stets um Hilfe bemüht und ausgesprochen freundlich, wenn auch die einzuschlagenden Richtungen nicht immer stimmen! - geht es heute schnell: zwei Polizisten steigen in den Polizeiwagen und eskortieren uns bis an den Rand der Stadt! Man stelle sich das einmal vor, mit Polizeieskorte zum Picknick!
Heraus aus der Stadt folgen wir der einzigen Straße, durch die Wüste, weichen diversen Schlaglöchern aus und sehen das angekündigte Zementwerk. Nun ist es nicht mehr weit. Die Straße führt in großen Bögen durch die Wüste, hier und da sieht man ein paar Hütten, Ziegen werden gehütet, ein Hund kreuzt unseren Weg und wir passieren die Grenze zwischen Sindh und Belutschistan, eine Kette als Schlagbaum, die von zwei Beamten für jedes Auto heruntergelassen und danach wieder aufgehakt wird.
Es ist fast Mittag, die Außentemperatur wird mit 51 C angezeigt, die Klima Anlage drückt die Innentemperatur auf noch erträgliche 38 C, die Fahrt ist holperig und vergnügt, das Zeitgefühl habe ich verloren, wir haben Mangho Pir erreicht.
In Mangho Pir befindet sich einer der vielen Schreine Pakistans, kleine Häuser, Kapellen gleich, in denen die sterblichen Überreste besonders frommer Muslime aufgebahrt sind. Wir streifen am Eingang unsere Latschen und Sandalen von den Füßen und drängeln uns mit anderen Besuchern in einen winzigen Raum, in dessen Mitte der Leichnam liegt, bedeckt von einem bunten Tuch und großen Mengen Blütenblättern. Ich sehe, wie ein Mann das Tuch am Kopfende des Leichnams küsst, was er wohl dabei denkt?
Um den Schrein herum führt ein schmaler Weg, an Verkaufsständen und Hütten vorbei zum Tümpel, in dem wir sechs Krokodile zählen. Der Tümpel wird von der eigentlichen Attraktion dieses Ortes, den heißen Quellen, gespeist, ist klein und dementsprechend faul liegen die Krokodile herum und mucksen sich nicht. Anscheinend sind aber wir an diesem Tage die Attraktion, Menschen stehen an der niedrigen Mauer des Tümpels, wenden sich dann aber ab und beobachten uns in der gewohnten, freundlichen Neugier. Besonders zu Frauen und Kindern bekomme ich sehr schnell und herzlich Augenkontakt, jedes Mal von einem breiten Lächeln gefolgt!
Die heißen Quellen entpuppen sich als Rinnsale, mühsam über Steine zu erklettern und zu erspähen, es drängt uns zurück in das nur warme Auto.
Trotz der Hitze und der ungewissen Vorstellung von dem zu besuchenden Staudamm, entschließen wir uns zur Weiterfahrt. Die Fahrt durch die Wüste ist so fremd und faszinierend, dass wir es in Kauf nehmen, an den Staudamm vielleicht gar nicht heran zu dürfen.
Zweimal überqueren wir den schmalen Kanal, der vom Staudamm her durch die Ebene führt. An der Böschung stehen ein paar Pick Ups, junge Männer und Jungen allen Alters genießen an diesem Feiertag das Toben im Wasser. Mädchen sind selbstverständlich nicht zu sehen.
Endlich sehen wir den Staudamm, den Hub Dam, sich quer vor uns von einer Hügelkette zur anderen ziehend. Wir folgen der Straße bis zum Fuße des Dammes und stehen nun vor einer Kette, die die Auffahrt zum Kamm absperrt. Ein Wächter und zwei kleine Jungen kommen heran, natürlich spricht der Mann kein Englisch. Während wir ihm bedeuten, dass wir hinauf fahren wollen, ist Herr W. bereits aus seinem Wagen hinter uns ausgestiegen und zückt sein Portemonai. Ein Schein wechselt den Besitzer, Herr W. bekommt ein Schulterklopfen und der Wächter tritt wieder an unser geöffnetes Fenster heran und redet auf uns ein. Lächeln und Kopfnicken als auch Kopfschütteln begleitet diese "Unterhaltung", die die nichts verstehen, sind natürlich wir! Während der Wächter uns irgendetwas erzählt und seinen Kollegen vom Damm herunterwinkt, stehen die beiden Jungen immer noch an unserem Wagen und lugen neugierig hinein. Ich reiche ihnen kleine Tüten Gummibärchen, die sie zögernd und neugierig nehmen. Der Wächter strahlt mich auffordernd an und als ich auch ihm ein Tütchen gebe, lacht er übers ganze Gesicht! Er fordert mich mit einer Handbewegung auf, auch seinem Kollegen etwas zu geben, der nun neben ihm steht und sich wohl nicht entschließen kann, einfach darum zu bitten. Ich gebe jedem noch ein paar mehr und es herrscht eitel Freude. über wie wenig sich Menschen doch noch freuen können!
Dem Wächter wird nun von seinem Kollegen mit einem Nicken bedeutet, die Kette herunter zu lassen und wir fahren den Damm hinauf. Hier oben ist es fast noch heißer, als die paar Meter weiter unten. Der Stausee ist ein Stausee, nur eben mitten in der Wüste, kein Mensch weit und breit und unten im Kristall klarem Wasser können wir kleine Fische sehen. Der Blick zurück über die Ebene ist weit und wird links und rechts von Hügelketten gesäumt. Beeindruckend ist die Stille. Ich kann die Stille hören. Kein menschlicher Ton, keinerlei Geräusche, nicht einmal Vogelstimmen sind hier. Ich genieße den Augenblick dieser Stille.


07.08.90

Gestern Nachmittag war es soweit. Darauf hatten alle im Land seit Wochen und Monaten gewartet: Der Präsident von Pakistan löste die Nationalversammlung auf und nahm damit der Regierung und der Premierministerin das Zepter aus der Hand. Über Fernsehen und Radio verlas der Präsident in Islamabad die lange Liste der schweren Anschuldigungen gegen die Regierung: von Korruption bis hin zu Veruntreuung von Staatsgeldern bis hin zum Terrorismus war alles dabei. Im Anschluss an diese Verlesung ernannte der Präsident kraft seines Amtes einen Geschäftführer und schwor vier Kabinettsmitglieder ein, bis zur Wahl am 24.Oktober dieses Jahres, alles im Beisein des gesamten Militärs.
Die Frage ist im Moment natürlich: wie werden die nächsten Wochen bis zur Wahl verlaufen? Werden sich die PPP Anhänger, die große Mehrheit der Leute, ruhig verhalten? Werden sie es wagen, gegen das Militär zu rebellieren? Wird Karachi, Hauptstadt der Provinz Sindh, wieder Schauplatz heftiger Unruhen?
Diese nächsten Tage könnten die Ruhe vor dem Sturm sein. Wahrscheinlicher aber ist: vor dem Militär hat jeder Respekt und man wird froh sein, dass wieder Ruhe und Ordnung einzieht. Vielleicht wird es auch nach dem 24.10.90 bei einer Militärregierung bleiben.


21.01.1991

Am 17.01.91 wurde aus der Golfkrise der Golfkrieg, die Amerikaner machten ihre Drohung war und griffen in unvermuteter Stärke Irak in der Nacht an.
Seit diesem Tag hat sich auch der Alltag in Pakistan für uns Ausländer geändert. Schon einen Tag zuvor hatte die amerikanische Schule ihre Pforten vorsorglich für zwei Wochen geschlossen. Die Deutsche Botschaft in Islamabad gab die Empfehlung aus, die deutsche Schule in Karachi vorab auch für den Rest der Woche, sprich total fünf Tage zu schließen.
In jedem Haushalt läuft seitdem täglich der amerikanische und einzige westliche, Nachrichtensender CNN von morgens bis spät in die Nacht. Frauen und Kinder sollen Ruhe bewahren und möglichst die Häuser nicht verlassen. Die Gerüchteküche ist mal wieder eröffnet, die Telefone stehen nicht mehr still.
Amerikaner haben in Scharen zuerst das Land verlassen, die ersten Fluglinien haben aufgrund der erhöhten Versicherungssummen ihre Dienste in dieser Region eingestellt. Es fliegen nur noch die Swiss Air und die Lufthansa fliegt Karachi nur noch drei Mal die Woche an, anstatt wie bisher sechs Mal die Woche.
Die ersten deutschen Firmen haben nach den Schweizern und Italienern ihre Mitarbeiter aufgefordert, ihre Familien nach Hause zu schicken. Die Unsicherheit wächst.
Seit Beginn des Krieges sind überall im Land Stimmen laut geworden, zum "Heiligen Krieg" gegen die Amerikaner und ihre Verbündeten aufzurufen. Obwohl die pakistanische Regierung Truppen nach Saudi Arabien zur Unterstützung der Amerikaner geschickt hat, ist das breite Volk hiermit nicht einverstanden. Die Masse versteht sich in diesem Fall mal wieder nicht als eine Nation sondern als Völkerübergreifende Mehrheit der Moslems, gegen die Krieg geführt wird. Schon am ersten Wochenende fanden die ersten Demonstrationen in Karachi, Islamabad statt. Natürlich mit den Begleiterscheinungen eingeschlagener Fensterscheiben, ausgebrannter Kinos und ersten Bombenattentaten. Die Mullahs rufen täglich zum "Heiligen Krieg" auf, erste Unterschriftensammlungen dafür werden an Märkten durchgeführt, an jeder Straßenkreuzung werden Bilder und Poster mit dem Konterfei Saddam Hussains verteilt. Die Straßen sind nicht mehr sicher, selbst die pakistanischen Schulen sind aus diesem Grund geschlossen. Auch die deutsche Schule ist für eine weitere Woche geschlossen, auf Zetteln werden selbstständig zu lösende Aufgaben per Boten von den Lehrern an ihre Schüler verteilt.
Das Auswärtige Amt zog gestern ihre Mitarbeiter und Familien der GTZ ab, hält aber ansonsten noch keine weiteren Weisungen bereit. Auf Anfragen und nicht etwa als Angebot, gibt das deutsche Konsulat in Karachi sog. Schutzscheine an ihre Staatsbürger ab. Diese Klappkarten enthalten neben Passfoto und persönlichen Daten die Bestätigung, dass diese Person unter dem Schutz der Deutschen Botschaft steht. Das Besondere an diesem Ausweis ist, dass die Angaben auch in Urdu geschrieben sind. Er ist, auch von Kindern, ständig bei sich zu tragen.
In den ersten Tagen kennzeichneten die Deutschen ihre Autos mit teilweise selbst gemalten deutschen Flaggen, um sich so von den gefährdeten Amerikanern abzugrenzen, seit 2 Tagen wurden diese Aufkleber schnell wieder entfernt.


copyright Susann Thomsen



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