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Lautschrift aktualisiert am 09.02.2008
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Aussichten
(Pfungstadt)

Eigentlich ein ganz gewöhnlicher Abend. Es ist Juli, die Wetterkarte im Fernsehen zeigt kühlere Temperaturen für die nächsten Tage an. Die Fenster stehen noch gekippt, obwohl seit den späten Nachmittagsstunden sich draußen heftiger Wind breit machte. Er fuhr fast geräuschlos und dennoch sehr heftig in die Bäume, bog und zauste sie, schüttelte sie durcheinander und gab ebenso plötzlich wieder Ruh.

Der Fernseher läuft immer noch, irgendein Mord wurde begangen, ich sitze auf der Couch. Völlig entspannt, leicht gelangweilt und mit Blickrichtung Fernseher, der vor dem großen Fenster steht. Absichtslos, was zwang meinen Blick?, wandern meine Augen Richtung Fenster. Alles gelb. Helles gelb. Und so schmutzig, nicht eindeutig. Ich stehe auf und trete ans Fenster heran. Schaue in dieses unangenehme und doch faszinierende Gelb, kann es nicht begreifen. Der Himmel ist gelb! Hellgelb vom Horizont herkommend, der sich Westen nennt, übergehend in graugelb und immer noch leuchtend, den Himmel fast gesamt überziehend.

Es macht mir Angst, dieses Schmutziggelb. Es schaudert mich. Es sieht bedrohlich aus. Giftgelb. Ich schaue gebannt und mich fröstelt. Der Mord ist immer noch akut. Ich lasse mich entführen in die dunkle, schwarz vertraute Welt. Sinke auf die Couch, drücke mich eng hinein. Vergesse dieses Gelb.

Der Mörder war nicht der Gärtner. Es war eine Frau, seine Frau. Das alte Spiel der Liebe mit all seinen Verstrickungen.

Meine Kinder schlafen noch nicht. Lesen in ihren Betten. Ich gehe von Zimmer zu Zimmer. Lasse wie jeden Abend die Rolläden herunter und bleibe am Schlafzimmerfenster stehen: was für ein Bild! Über freiem Feld, das am noch frühen Abend in fast völliger Dunkelheit von leicht tröpfelndem Regen hier und da glänzt, spannt sich weit ein leuchtend hellgelber Himmel. Spannt sich wie ein Zirkuszelt und an der äußersten Ecke, hinten rechts, blitzt es hoch oben strahlend blau. Unter diesem Zelt schiebt sich eilig und haarscharf abgehoben gegen das Leuchten, ein riesengroßer, rußgeschwärzter Wattebausch, an den Rändern ausgerissen. Paradox in seiner fast die Baumwipfel streifenden Schwere zieht die Wolke lautlos, behende gen Norden. Nimmt das Zirkuszelt geschwinde mit sich fort. Lässt vertraute, dunkle Nacht hinter sich.

copyright Susann Thomsen



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