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Lautschrift aktualisiert am 09.02.2008
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Besuch
(Al Khobar)

Stell’ Dir vor, es ist auch für Dich schon Nachmittag, knapp erst vier Uhr, noch nicht allzu spät und Du bist zuhause, liegst auf der Couch, die Füße hoch und liest in aller Gemütsruhe die Zeitung.
Ich bin schon auf dem Weg, vor Unruhe und Ungeduld rutsche ich auf dem Sitz im Taxi hin und her. Ich habe nicht mal Ruhe, mich entspannt hinzusetzen und die schwere Plastiktüte loszulassen. Ich halte sie fest an meiner Seite und passe auf, dass den beiden Rotweinflaschen nichts passiert. Kurz vor Abflug hatte ich gerade noch genügend Zeit in den Supermarkt zu flitzen und diese beiden Flaschen zusammen mit dem französischen Stangenbrot und Käse einzukaufen.
Ob Du zuhause bist? Vielleicht hast Du Besuch? Nein, jetzt ist es zu spät, da vorn ist schon die Bellevue, gleich sind wir in der Willistraße und ich halte schon Ausschau nach dem weißen Haus, versuche Dein Wohnzimmerfenster zu erspähen. Wie bitte? Ach ja, zahlen. Schnell ziehe ich einen Schein aus der Geldbörse, die ich doch schon lange in der anderen Hand gehalten hatte, um sie auch ohne große Verzögerung zücken zu können.
Da steh’ ich nun mit der Tüte in der einen Hand und der Handtasche unter den Arm geklemmt. Ich kann Dein Auto nicht sehen, bist Du doch nicht zuhause? Entschlossen, aber vorsichtig, gehe ich auf die Haustür zu, einmal rutsche ich fast aus, Laub liegt auf dem Gehsteig, vom vorangegangenen Regen glitschig. Die Haustür ist auf und nun stürme ich eilig die Treppen hinauf, läute an Deiner Tür Sturm, lange und dringlich, mit angehaltenem Atem. Ich kann Geräusche aus der Wohnung hören, da geht die Tür auf und Du stehst staunend, fast fassungslos in der Tür. Bevor ich das Strahlen auf Deinem Gesicht kaum ahnen kann, liege ich in Deinem Arm, schwere Tüte auf Deinem Rücken, jubelnde Begrüßung…
Du willst fragen, willst erzählen, aber ich lasse Dich nicht zu Wort kommen, reich mir schnell ein paar Kerzenhalter, bring’ mir einen Korkenzieher aus der Küche, jetzt liegen die Einkäufe verstreut auf dem Boden vor der Balkontür, ich riegel sie schnell auf und öffne beide Flügel weit. Feuchtkalte, würzige Luft dringt herein, strömt an mir vorbei und empfängt Dich an der Zimmertür, mit den Kerzenhaltern und dem Korkenzieher in der Hand.
Nein, keine Bange, das wird nicht zu kalt. Kannst Du mir einen dicken Pullover von Dir borgen? Fast noch überrumpelt eilst Du wieder hinaus und bist binnen Sekunden mit zwei Wollpullovern wieder da. Danke. Denn jetzt fängt alles erst an. Setz’ Dich zu mir auf den Boden, nein, die Gläser fehlen ja noch, schon sind auch die geholt und wie von Zauberhand gefüllt, jetzt fängt es richtig an:
Unsere Gläser klingen, der schwere Bordeaux rollt langsam über die Zunge, dazu ein Stück Brot abgebrochen, nimmst Du den Camenbert? Ich nehme den Pfeffer Boursin, den einzigen Käse, den ich frisch essen mag, dafür auch liebe. Hmmm, es ist ein Genuss. Nein, ich möchte wirklich nichts von Deinem Käse probieren…
Die dreiviertel Flasche ist schon leer, wir knabbern nur noch hin und wieder am Käse, Du gibst mir Feuer für eine Zigarette. Während des Essens gab es nur Satzbruchstücke, angefangene Fragen, kauendes Nicken, dafür Gesichter, die ineinander tauchen, Augen, die über die wahren Dinge sprechen.
So lange haben wir uns nicht gesehen, so viele Dinge haben sich ereignet, Gespräche wurden aufgeschoben, auch jetzt streifen wir sie nur, es ist zuviel, wir wollen alles auf einmal erzählen, besprechen, die vergangene Zeit in wenigen Sätzen aufholen.
Langsam wird es dunkel, die anfangs langen Schatten sind schwarz und hüllen alles um uns herum ein, decken alles zu. Nur wir zwei allein, am Rande unserer flackernden lichten Insel. Hin und wieder taucht Dein Gesicht aus dem Dunkel auf, hinein in das unruhige gelbe Licht, um kurz darauf wieder im schwarzen Meer zu versinken.
Lass mich auch an den Rand des Lichts kommen, rutsch ein kleines Stück, jetzt kann ich an Dich gekuschelt, warm und entspannt die Stille hören, mich im Licht und Schattenmeer treiben lassen. Erzähle mir etwas. Und Du beginnst zu erzählen. Mit leiser Stimme, sie umgibt mich verhalten, Du erzählst mir eine Geschichte, eine Geschichte aus tausend und einer Nacht…

copyright Susann Thomsen



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