lautschrift


Lautschrift aktualisiert am 09.02.2008
  Startseite
  Über...
  Archiv
  Jan
  Aufgeräumt
  Die Pianistin
  Vierzig
  Hamburg
  Karachi Skizzen
  Versicherung
  Frei
  Aussichten
  Besuch
  Maid in Hongkong
  Millenium
  Verwandte
  Wüstentraum
  Briefwunsch
  Verführung
  Unter Nachbarn
  Auf der Suche nach Weihnachten
  Nikolaus
  Von der Stange
  Nachts
  Oh Tannenbaum!
  Opernbesuch
  Gäste
  Handwerker
  Mein Typ
  Die Spinne
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren
 

Freunde
   
    venuslicht

    - mehr Freunde

Links
  venuslicht
  PTM-Hamburg
  seeyousoon
  wüstenreisen


http://myblog.de/lautschrift

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Verwandte
(Karachi)

Die neuen Regale sind nicht nur da, nein, sie hängen auch endlich an der Wand! Jungfräulich leer warten sie, gefüllt zu werden. Endlich kommen die Bücher aus den vielen Kartons, werden in kleinen Stapeln mal hier, mal da verteilt, erst nach Autoren und die wiederum nach Sachgebieten. Was an sich eine einfache Sache ist, sofern eine größere Anzahl Werke von einem Schriftsteller vorhanden ist. Aber was soll mit all den einzelnen, wie verloren gegangenen Büchern geschehen, die einsam, ganz für sich, neben den hohen Stapeln der Sammlungen liegen? Da beginnt ein Forschen nach Verwandten, Verfechtern eines gleichen, wenigstens ähnlichen Gedankens. Da sieht man ein hastiges Suchen, fühlt ängstliches Gedränge nach einem geborgenen Plätzchen für einen schmalen Band und hört auch hier und dort einen entsetzten Aufschrei:

Siegfried Lenz möchte nichts mit der Dame Chatterly zu tun haben! Hermann Hesse ist schon ganz bleich geworden, nie, niemals hält er es neben einer Blechtrommel aus. Auch Thomas Mann äußert sich empört mit tiefer Stimme über seine Nachbarin, eine Lesbe hat in seiner Welt gar keinen Platz!

Ein Rennen und Flüchten setzt ein, es wird geschubst, gedrückt und geschoben, Lücken entstehen, vor Engpässen gibt es ein Chaos, jede kleine Ritze wird ausgefüllt, bis größere Gruppen geschlossen abrücken und dennoch maulen, sie stünden viel zu weit entfernt von bestimmten anderen Großgruppen.

Aber wie das so ist im Leben: man kann sich seinen Platz nicht immer aussuchen. Da gibt es - boshafter Weise - höchst widersprüchliche Verbindungen, die scheinbar jemand mit diebischem Vergnügen hergestellt hat! Warum sollen sich die Jungautoren in ihrer Anthologie nicht unsagbar wohl fühlen in der Nachbarschaft eines Herrn Satre? Warum sollten Vicki Baum und Erich Segal sich sträuben, aneinander zu lehnen? Sollte Herr Gantenbein tatsächlich erblindet sein, wäre es Stefan Zweig sicherlich ein Vergnügen, ihm die "Schachnovelle" noch einmal zu erzählen.

In einem einzelnen Buch ist soviel Leben, soviel Bewegung, die aber an den Buchdeckeln aufzuhören scheint. Da mußte unbedingt etwas nachgeholfen werden! Mit leichter Hand, Phantasie und einem gewissen Hang zur Intrige. Wer weiß, vielleicht sickert nun das Eine oder Andere durch, bleibt alles im Fluß, wird fließen, munter fließen....

copyright Susann Thomsen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung