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Lautschrift aktualisiert am 09.02.2008
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Wüstentraum
(Al Khobar)

So weit entfernt von dem Land, das ich Zuhause nenne, hier ist die Luft weich, meistens schwül und angefüllt von dem Sand, der so fein wie Staub in alle Ritzen dringen kann und alles und jeden bedeckt. Ich atme und fülle meine Lungen doch nur zum Teil mit diesem warmen, feuchten, wattigen Etwas. Mein Blick wandert über den hellen, gleißenden Sand, alles staubig, die wenigen Pflanzen am Boden, die paar Bäume, nichts hat die grüne Farbe, von der ich annahm, daß sie Natur sei. Satte, immer alles überdauernde Natur, schöpfend aus dem Vollen. Weiter hinauf in den Himmel wandert mein Blick, vermeidet die grelle Sonne, verliert sich am blaßblauen, dunstigen Horizont.....

.....und mein Heimweh schärft die Sinne:
Geh ein Stück mit mir durch den herbstlichen Wald, noch wärmt die Sonne ein wenig, die durch das goldene Laub scheint und überall kleine Lichter zündet. Wir sind noch ein wenig steif in den Knochen von der Autofahrt, aber schon fängt das Blut an zu pulsieren, der Boden ist weich, es läßt sich gut laufen, manchmal stoßen unsere Schuhspitzen an vertrocknete Zweige. Schon liegt genügend Laub auf dem weichen Waldboden und ich wünschte, wir wären Kinder. Mit schleifenden Schuhen durch das Laub preschen; kleine Wirbelstürme in Rot, Gold, Orange, völlig außer Atem sein, mit blitzenden Augen und roten Backen, wir hätten unsere Anoraks schon lange geöffnet, es ist uns so warm geworden, wir kennen keinen Hunger, keine Müdigkeit.

Nein, wir sind keine Kinder mehr, wenn auch unsere Füße ein wenig, nur ein kleines bißchen, manchmal über den Boden schleifen, um das altvertraute Rascheln zu hören. Dafür holen wir ganz bewußt und tief diese erdige, würzige Luft ein, tief in unsere Lungen, so weit es nur geht. Noch ist es fast warmer Nachmittag, doch schon kann man die kommende Abendkühle ahnen und spürt den nahenden Dunst, der aus den Wiesen aufsteigen wird, um alle Halme, Gräser und Blumen mit seinem funkelnden Tau zu überziehen.

Mein Herz ist ganz weit und wir sprechen nur wenig, zu stark ist die Natur in diesem letzten Farbenrausch, der Geruch von Moder und Erde betäubt mir fast die Sinne. Ich bleibe stehen und lege meinen Kopf ganz weit in den Nacken, wie ich es als Kind schon gerne tat; es geht ein leichter Wind durch die Baumkronen und über uns wogen alle Feuerfarben auf blaßblauem Untergrund, weiße Fetzen schieben sich durch das Blau, alles ist in Bewegung, schwimmt. Ich fühle mich davongetragen.....

.....öffne die Augen und stehe im heißen Wind in unserem Garten in der Wüste, mein Nacken schmerzt, wie lange habe ich da wohl gestanden?

copyright Susann Thomsen



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