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Lautschrift aktualisiert am 09.02.2008
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Nachts
(Hamburg)

Es war wieder einmal spät geworden, Mitternacht war längst vorüber, als sie sich mit einem letzten Winken von ihrer Freundin verabschiedete, die sich als dunkler Schatten gegen das helle Viereck ihrer Haustür abhob. Sie war noch nie in dieser Gegend gewesen, erst kürzlich war ihre Freundin hierher an den Stadtrand gezogen.

Auf dem Weg zum Parkplatz, vorbei an den wispernden Birken, Zweigen ausweichend, die sie streiften, kramte sie in ihrem Lederbeutel nach den Autoschlüsseln: tastete sich durch ihr Strickzeug, vorbei an der Brieftasche, fühlte das kühle, glatte Feuerzeug und blieb nun, endlich an der Straáe angekommen, den dichten Birkenweg hinter sich, unter der Straßenlaterne stehen, um unter ihrem Schein die Suche mit den Augen fortführen zu können. Da, neben ihren Zigaretten lagen sie und während sie das Schlüsselbund vorbei an den Wollschnüren aus dem Beutel angelte, hörte sie Schritte. Eilige, klappernde Schritte, die näher kamen.

Mit einem raschen Blick über die ansonsten stille, verlassene Straße, ging Ulla auf die andere Straßenseite auf ihr Auto zu, das mittlerweile warme Schlüsselbund in ihrer Hand. Die klappernden Schritte waren nun lauter geworden, kamen direkt auf sie zu. Erleichtert bemerkte sie eine Frau, die, nachdem sie an Ulla herangetreten war, bat, mit stadteinwärts fahren zu dürfen; den letzten Bus habe sie gerade verpaßt. Ulla blickte kurz zu ihr hinüber, nickte dann und schloß die Autotür auf. Sie öffnete von innen die Beifahrertür, schob derweil die weiten Falten ihres Rockes unter die Oberschenkel, und steckte dann den Autoschlüssel zum Starten ins Schloß.

Nach erneutem und dieses Mal kurzem Wühlen in ihrem Beutel, sie sollte sich wirklich bald eine übersichtlichere Tasche zulegen, fand sie ihre Zigaretten samt Feuerzeug, hielt die Schachtel der Frau fragend hin und entnahm ihr auch eine Zigarette. Mit der einen Hand umfaßte sie den Schlüssel, startete den Wagen und hielt der Frau anschließend das aufgeschnappte Feuerzeug entgegen, als sie den muskolösen Handrücken mit der Zigarette zwischen den Fingern erblickte. Im Bruchteil einer Sekunde nahmen ihre Augen unter dem Feuerschein den kurzen, breiten Daumennagel und die dunklen, dicht an dicht stehenden Haare wahr, die sich vom Handrücken bis hin zur Manschette der getupften Bluse erstreckten. Angst stieg ihr wie eine Welle den Rücken hinauf, während sich ihre Augen bereits wieder an die Dunkelheit gewöhnten: ihre Finger hatten zuerst reagiert und das Feuerzeug mit metallenem Klicken zuklappen lassen.

Stumm, mit steifen Bewegungen, brannte sie ihre Zigarette an, verstaute umständlich das Feuerzeug, blickte hoch, sah kurz in den Rückspiegel und hielt, kaum wahrnehmbar, inne: ja, so konnte es gehen. Mit scheinbar gelassener Stimme bemerkte sie, mit einem demonstrativen Blick in den Rückspiegel, die Enge dieser Parklücke. Ob die Frau sie rauswinken würde? Die Zigarette in der nun nur noch dunklen Schattenhand, suchte die Andere bereits beflissen den Türhebel, drückte ihn hinunter und stieg aus.

Angespannt und fast starr von Kopf bis Fuß, schoben Ullas Finger automatisch den Schaltknüppel in den Rückwärtsgang, sie fuhr auf die Frau zu, die sie mit den Augen im Spiegel festhielt; automatisch wechselte sie jetzt in den ersten Gang und fuhr so schnell, wie es eben ging, raus auf die Straße, die Straße hinunter, immer geradeaus, weiter, immer weiter; nur fort von hier.

Der Motor gab ein leichtes Klappern von sich, etwas fern und begann sich doch mit seinem regelmässigem Takt in ihr Bewußtsein zu klopfen; sie spürte nun die schweißnassen Hände, die sie gedankenverloren an ihrem Rock zu trocknen suchte, fühlte sich wieder atmen und drosselte jetzt auch das hohe Tempo. In gleichem Maße, wie der Wagen an Tempo verlor, nahm das Zittern ihrer Hände zu, rasch lenkte sie nach rechts und kam auf einer Bushaltestelle zum Stehen.

Unter hellem Neonlicht saß sie zurückgelehnt in ihrem Sitz und versuchte, sich zu beruhigen. Sie hatte der heiseren, leisen Stimme keine Bedeutung beigemessen, doch die behaarte Hand hatte sie schlagartig erkennen lassen. Ihre Hände wurden nun ruhiger, zitterten kaum noch, sie spreizte die Finger, schloß sie zu einer Faust und atmete tief ein. Ihre linke Hand betätigte bereits den Blinker, die rechte wollte den ersten Gang einlegen, als sie die helle Handtasche sah, sie konnte sie von ihrem Sitz aus nur zur Hälfte sehen: hell, glatt, ohne Schulterriemen. Wie ärgerlich, was nun? Sie nahm sie an sich und öffnete sie. Zwei Dinge lagen in der Tasche: Eine starke, weiße Schnur und ein Messer mit hell blitzender Klinge.....

copyright Susann Thomsen



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