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Lautschrift aktualisiert am 09.02.2008
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Handwerker
(Hongkong)

Das Abenteuer beginnt: Zwei Handwerker sind da, den einen kenne ich schon, der macht sich sehr wichtig, weil er ein paar Brocken Englisch spricht. Die beiden sollen vorgezeichnete Löcher bohren, damit wir schwere Spiegel, die Vitrine und auch Lampen aufhängen können.

Z.Z. sind sie dabei, das Dartschränkchen auszumessen und natürlich ist das eine komplizierte Angelegenheit, da die darin befindliche Schraube mit dem Mittelpunkt genau 1,73 m vom Boden hoch aufgehängt sein muss. Ich kann da gar nicht zugucken, sitze mit dem Rücken zu ihnen. Vorher habe ich ihnen den Staubsauger in die Hand gedrückt und oh Wunder, wenn man das Staubsaugerrohr unter das Bohrloch hält, fliegt der ganze Dreck nicht in der Gegend herum, sondern landet gleich im Staubsauger!

Einmal umdrehen: Es wird noch gemessen, die frisch gemalte Wand ist bereits vom Dranhalten und Abstützen versaut, der Bohrer liegt auf der empfindlichen Holzplatte vom kleinen Tischchen, aber der wurde ja schon während des Umzuges verkratzt. Und die grauslichen Sachen kommen erst noch: Löcher für Deckenlampen anbohren ohne Leiter, Jalousien hinter eingebauten Gardinenblenden, unter denen natürlich schon die Gardinenschienen doppelt laufen, anbringen, oh, mein Gott!

So, das Schränkchen hängt und lieber Himmel, es ist schief, so schief, dass man denkt, man sei besoffen! Mist! Schrank wieder runter, alle Schrauben und Dübel wieder raus, die Mitte stimmt natürlich auch nicht mehr, alles noch einmal, während ihnen die Zigaretten an den Lippen kleben und die Asche rieselt. Ich springe über den Balkon! Aber halt, ich kann nicht, da ruft’s auch schon wieder: “Missieee…?”

Und eben ruft mein Mann, mit ganz entspannter Stimme, aus seinem Büro an um zu fragen, wie es denn ginge und ob ich denn nachher gleich mal zur Festhalle der Schule zur Eröffnungsrede des Schuljubliläums kommen könne. Gerne doch! Ich werde zum Frisör gehen, mich in mein kleines Schwarzes werfen, ein paar Tupfer Parfüm hinter meine kleinen Öhrchen und mit klackernden Absätzen meiner spiegelblank geputzten Pumps segle ich dann lächelnd hier raus, meine Kinder, mein neues Zuhause vergessend, dem Wahnsinn nahe, ein irres Lächeln auf den Lippen!

Es bohrt, hämmert, saugt und schabt immer noch in meinem Rücken, es ist bereits 12 Uhr Mittags. Ich werde jetzt ganz bescheiden und unauffällig mit gesenktem Blick an ihnen vorbeihuschen und mich in der Küche verbarrikadieren. Vielleicht finde ich dort noch eine alte Zahnbürste und schrubbe den Fussboden, Zentimeter für Zentimeter, bis es Nacht ist und ich tot umfalle.

War natürlich nichts mit tot umfallen, das Schränkchen hängt, die Wand ist versaut. “Okee missieee???” So, und nun kam die Wunderwelt des verrückten Möbelhauses aus Schweden: Wie hänge ich eine Jalousie auf, wenn für die Enden kleine Kästchen mit Löchern vorgesehen sind und es derer sogar zwei gibt? Ich mach’s jetzt mal kurz: nachdem es zweimal nicht passte, wurde eben ein drittes Mal gebohrt, die Wand sieht zwar mittlerweile aus wie ein Schweizer Käse, aber die Dinger hängen. Die dazu passenden Blenden kriegen wir nicht rein, betrachten wir sie also als überflüssig. Die Männer habe ich jetzt zum Mittag geschickt, den Frechen noch mal kurz angebrüllt und ihm angedroht, ihm erst seinen Hals umzudrehen und dann seinen Chef anzurufen, genau in der Reihenfolge.

Gleich kommen die Kinder und finden noch nicht einmal ein Mittagessen vor, da ihre Mutter zwischenzeitlich den Beruf eines Vorarbeiters übernommen hat. In einer knappen Stunde widme ich mich der Aufgabe, wie können zwei Männer eine Deckenlampe anbringen, wenn ihre gesamte Arbeitsausrüstung aus einer Bohrmaschine mit zu kurzem Kabel besteht und sie keine Leiter dabeihaben. Und da komme mir noch einer und behaupte, das Leben einer Hausfrau sei langweilig und für geistig Minderbemittelte!

copyright Susann Thomsen



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