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Lautschrift aktualisiert am 09.02.2008
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DIE SPINNE
(Hongkong)

An manchen Tagen war sie dann die haarige, dicke Spinne, die reglos in ihrem stark gewebten Netz saß und zusah, wie ihr Mann leise murmelnd das Wohnzimmer und die Küche auf der Suche nach dem - seinem! - letzten Glas Erdnüssen durchsuchte.

Saß einfach nur da, bequem zurückgelehnt in ihrem Sessel in der Ecke, im schon leicht verschossenen Jogging Anzug vom vorletzten Sommer und ließ ihn suchen.

Wartete mit ausdruckslosem Gesicht, während er Schranktüren aufriss, unmethodisch, sie eine nach der anderen laut zufallen ließ, unsinnigerweise selbst Schubladen nicht verschonte und von Minute zu Minute sich vom ungläubigen Murmeln in ärgerliche Bemerkungen hieinsteigerte.
Er wüßte genau, dasßnoch eins da waäe, er haette es selbst aufgemacht. Verflixt und zugenäht, wenn er einmal einen bescheidenen Wunsch , nur gern ein paar Erdnüsse hätte, aber in diesem Haushalt und die Bemerkungen, noch mehr ins Allgemeine gesprochen, perlten an ihr ab. Immer noch reglos, scheinbar das Geschehen des Fernsehfilms verfolgend, saß sie in ihrer Ecke und beobachtete ihn aus ihren blassen Augenwinkeln.

Die Verdächtige wurde vom Kommissar verhört. Ihr Alibi für die Mordnacht war lückenhaft.Sie gab knappe Antworten, ließ den Kommissar zäh ringen, gab wenig preis. Sie schien etwas zu wissen.

Seine Stimme wurde lauter, nicht nur, daß die Erdnuüse verschwunden wären, gestern hättte er eine halbe Stunde nach der verdammten Fernsehzeitung suchen müssen, es sei eine Schlamperei. Und wo er gerade dabei wäre, wie oft, bitteschön, hätte er darum gebeten, nichts von seinem Schreibtisch zu entfernen? Sie wüßte genau, wie er es haßt, aus einem einzigen, hohen Stapel Papiere, stundenlang nach der Telefonrechnung suchen zu müssen, die er sich extra raus gelegt hätte. Sie solle mal lieber sehen, daßsie ihren Haushalt in den Griff bekäme. Wenn er im Büro so vergeßlich und schlampig wäre wie sie, könne er seinen Hut nehmen.

Es gab eine weitere Leiche. Die Kamera zeigte nur ein dunkles Bündel im Unterholz, aber sie konnte sich die Details vorstellen. Zu oft hatte sie solche Bilder bereits gesehen.
Ihr Mann ließ sich schwer auf die Couch fallen. Fahrig griff er nach der Tageszeitung. Fluchte, daß sie nicht ordentlich zusammengelegt wäre und öffnete laut raschelnd, mit abgehackten, kurzen Bewegungen den Sportteil. Hielt die Doppelseite weit geöffnet vor sich und versperrte ihr teilweise die Sicht auf den Krimi.

Mit Blick auf den Fernseher stand sie mühsam auf, streckte ihr eingeschlafenes Bein und murmelte einen Gute Nacht Gruß in seine Richtung. Ein kurzes Knurren war hinter der Zeitung zu hören. Sie würde den Film im Schlafzimmer zu Ende sehen. Die Frage nach dem Täter war ihr ohnehin klar, ein Krimi der billigen Art.

Sie ging direkt nach oben und lächelte.Er würde nachher die Lichter im Wohnzimmer löschen, auch die kleine Leuchte in der Küche, würde sich dann vergewissern, daß die Haustür abgeschlossen war und auf dem Weg zur Kellertür würde er es sehen.

Während sie gestern die Kinder ins Bett brachte, hatte er die Gartenstühle hineingebracht, die leeren Bierflaschen in den Kasten sortiert und weil er noch den Rasen sprengen wollte, die beiden Windlichter und das Glas Erdnüsse auf den kleinen Mauervorsprung direkt neben der Kellertür gestellt. Und bis dahin ließ sie ihn in ihrem Netz noch ein bißchen zappeln!

copyright Susann Thomsen



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